die entdeckung der langsamkeit
March 25, 2009
Oder genauer: Die Entdeckung des langsamen Pfannkuchenbackens und das damit einhergehende Nachdenken über Langsamkeit, Geduld, Erfolg. Bis vor vier Wochen habe ich Pfannkuchen bei größter Hitze gebacken, wie ich es bei meiner Mutter immer gesehen hatte, mit dem Ergebnis, dass sie alle leicht schwarz wurden und schmeckten wie zu Hause. So kannte ich sie, und so liebte ich sie. An diesem Tag vor etwa vier Wochen jedoch (an dem mir nebenbei bemerkt auch der Boden unter den Füßen verschwand, vgl. ‘to be falling’) hatte ich einen Freund zum Pfannkuchenessen eingeladen. Er rührte denn den Teig an und begann zu backen… bei höchstens halber Hitze! Ich begann mich schon zu langweilen und wollte ihn darauf hinweisen, dass es bei größerer Temperatur schneller vonstatten gehen würde, als der erste Pfannkuchen fertig war – perfekt, rund, gleichmäßig durchgebacken – und garnicht schwarz! Es hatte also etwas länger gedauert, schmeckte dafür aber umso besser. Nicht wie zu Hause, sondern wie Pfannkuchen. Die zweite Ladung backte ich selbst, in gewohnter Manier, und schämte mich im Anschluss etwas für meine Ungeduld – ich sollte als Frau doch eigentlich alles, was mit Küche und Kochen zu tun hat, besser können als jeder x-beliebige Mann! (Blödes Rollendenken.) Schande über mein Haupt. Gestern nun hab ich den nächsten Versuch gestartet, ohne Gäste diesmal, allein und verlassen in meiner Küche. Runde Pfannkuchen gebacken. Schöne. Leckere. Langsame Pfannkuchen. Und dabei ein bisschen nachgedacht, über die Langsamkeit. John Franklin hat sie ja schon entdeckt. Ich muss sie selbst entdecken, für mich. Learning by doing. Dinge mit Ruhe angehen. Theoretisch weiß ich das ja, dass nicht alles hoppladihopp gehen muss. Dass die Kraft in der Ruhe liegt. Dass die Welt heute viel zu schnell ist. Dass man sich eigentlich Zeit nehmen sollte. Für sich, für seine Freunde, für Gott, wenn man denn mit ihm unterwegs ist. Aber man sollte sich auch Zeit für Pfannkuchenbacken nehmen. Geduld, das muss man lernen. Man hat sie nicht einfach, wie vielleicht blonde Haare oder zwei unterschiedlich lange Beine. Man muss üben, geduldig zu sein. Darauf zu warten, dass der Pfannkuchen fertig wird, selbst wenn es länger dauert. Langsamkeit und Geduld, das hängt zusammen. Das ist nicht leicht. Damit wird man gegen den Strom schwimmen in einer Welt, in der nur Ansehen genießt, was schnell geht. Aber man wird Erfolge sehen und sich freuen können: perfekte Pfannkuchen. Gehabt euch wohl.
tandem lacrimans.
March 3, 2009
Wir haben das Ende des Schachtes erreicht. Ein neues Land. Ein unbekanntes Land, ein ungewohntes. Ich werde mich hier erst zurecht finden müssen. Gerade im Moment, nachdem wir den Boden erreicht haben, tut mir alles weh, klar. Ich liege auf der Erde und lasse meinen Tränen (endlich) freien Lauf. Das tut gut. Hilft, mit dem Schmerz klarzukommen. Zu kapieren, dass Selbstmitleid hier absolut nicht angebracht ist – denn ich habe doch nichts verloren außer der Wüste, aber so viel gewonnen! Nicht so viel wie ich gehofft hatte, aber man kann ja auch nicht immer alles haben. Und: vielleicht ist es auch mehr, nur sehe ich das zur Zeit noch nicht so ganz? Ich spüre, wie ich mich freue. Über den festen Boden in einem, soweit ich das überblicken kann, unendlich viel schöneren Land als das, das ich verlassen habe, und auf alles Kommende. Auf den, der mich hierher gebracht hat und auf all die anderen, denen ich hier begegnen werde, die ich teils schon kenne, teils noch nicht – das wird bestimmt ein Spaß! Gehabt euch wohl.
to be falling
February 27, 2009
Lange Zeit drehte ich meine Runden um ein großes, tiefes dunkles Loch inmitten einer graubraunen Wüste, in der ewige Dämmerung herrschte. Mal bewegte ich mich weiter weg, mal ganz nah am Rand, und ich fragte mich, ob mich jemand auffinge, wenn ich den Schritt über den Rand wagte. Bis ich eines Tages beschloss, dass die Ungewissheit darüber sowie die Wüste quälender waren als ein Sturz jemals sein könnte. Außerdem bestand da ja die Chance, dass ich tatsächlich gefangen würde. Das war schließlich anderen früher schon passiert, ausgeschlossen war es also nicht. So schob ich einen Fuß an und über den Rand, langsam, behutsam. Und spürte die Leere, die sich unter meinen Zehen ausdehnte, unergründliche Tiefe, die einen endlosen Sturz zu versprechen schien. Kein unsichtbares Netz, das über das Loch gespannt war. Keiner, der kam und schrie, nein, tu das nicht. Keiner, der mich von hinten packte und zurückzog. Kein Wunder, das das Loch plötzlich verschwinden ließ. Ich zog den Fuß zurück und setzte mich auf den Boden, direkt neben den Abgrund, und begann erneut zu überlegen. Vielleicht sollte ich weggehen. Ganz weit weg. Aus dieser Wüste heraus. Aber ich wusste, dass die Wüste kein Ende hatte, nicht für mich, nicht, bevor ich nicht mutig genug gewesen wäre, mich der Ungewissheit zu stellen. In das Loch zu springen. Ja, möglicherweise war das der entscheidende Punkt: nicht zaghaft vortasten, sondern voll Vertrauen losgehen. Geradewegs über den Rand spazieren. Und genau das tat ich. Ich stellte mich auf meine beiden Füße, stemmte die Arme in die Seiten, sagte der Wüste und somit der mir bekannten Welt Lebewohl, verfluchte kurz meinen hoffnungslosen Optimismus und ging los. Da ich die Augen geschlossen hatte, bemerkte ich zunächst nur ein verändertes Gefühl unter meinen Sohlen: das war nicht der eingetrocknete, staubige Wüstenboden – das war… Ich öffnete die Augen, ganz vorsichtig, und sah: grün. Unter meinen Füßen breitete sich eine Wiese aus, nass vom Morgentau, übersät von Blumen, die im Licht der eben aufgehenden Sonne ihre Blüten entfalteten, orange, rot, gelb, blau, lila, und immer wieder orange. Neben mit stand jemand und lachte, und ich lachte mit, froh, den Schritt über den Rand gewagt zu haben. Doch als ich gerade seine Hand nehmen wollte, machte der andere ein bedauerndes Gesicht, trat etwas zur Seite, und ich fiel. Verschwunden all das Leben, all das Licht, die Wärme, die Freude, um mich herum nur zunehmend schneller verbeiziehende Wände, graubraun, wie die Wüste. Doch ich hatte ihn erwischt, zumindest an einem Finger, und vielleicht war er aus dem Gleichgewicht gekommen und stürzte nun ebenfalls, etwas über mir, durch die dichter werdende Dunkelheit. Vielleicht würden wir irgendwann, am Fuß dieses Schachtes, auf dem gleichen Boden landen, und vielleicht würden wir dort gemeinsam weiterlaufen. Weiterleben. Gehabt euch wohl.
das prinzip gnade
February 22, 2009
Darüber denke ich zur Zeit immer mal wieder nach. Gnade. Was ist das? Was hat das mit mir zu tun? wissen.de gibt mir auf die erste Frage zum Beispiel folgende Antwort: “Gna|de [f.] 1 Barmherzigkeit, verzeihende Güte [...] 2 (herablassendes) Wohlwollen, Nachsicht, Milde [...] 3 Beweis, Zeichen gnädiger Gesinnung.” Synonyme sind beispielsweise Gunst, Mitleid, Huld. Huld ist auch ein interessantes Wort, nur in meinem aktiven Wortschatz nicht so vertreten. Gnade dafür schon eher. Gottes Gnade vor allem. Gott ist gnädig. Was heißt das? Dass er mich unendlich liebt, obwohl er mich kennt. Ist das nicht krass? Er kennt mich, er weiß, was ich tagtäglich für eine gequirlte Scheiße denk und sag und tu, und trotzdem, trotzdem hat er mich furchtbar lieb. So lieb, dass er alles aufgegeben hat, damit ich leben darf, diese Sache mit dem Kreuz und so, kennt ihr ja. Gnade… Das heißt also in etwa, Fehler des anderen zu kennen und ihn dennoch nicht zu verabscheuen. Verletzt worden zu sein und trotzdem nicht den Kontakt abzubrechen. Vielleicht erstmal eine Stinkwut auf jemanden zu haben, dann aber zu beschließen, dass dieses ‘du bist ein Depp ich guck dich nie wieder an’-Prinzip einfach Mist ist. Gnade ist Verzeihen. Und, gutes Sprichwort: Verzeihen ist der schönste Sieg. Gehabt euch wohl.
krank sein = plöt
January 25, 2009
Will viel Weile haben, darf ich zur Zeit feststellen. Kann es, wenns dann auch richtig gut wird. Ganz aktuell stelle ich aber doch mal wieder fest, wie selbstverständlich wir es für gewöhnlich nehmen, dass wir gesund sind! Ich meine, so einen kleinen Schnupfen oder so hat man halt mal, oder ein Kratzen im Hals. Aber wenns dann mal so richtig zuschlägt, merkt man ganz schnell, dass es ein riesengroßes Geschenk ist, gesund sein zu dürfen! Richtig zugeschlagen hat bei mir eine widerliche Entzündung im Weisheitszahnbereich, mit einhergehender Kieferklemme und unschönen Schmerzen. Kieferklemme impliziert natürlich: Essen (und Zähneputzen) wird ungemein unangenehm und schmerzhaft, relativ gut gehts mir nur noch unter Schmerzmitteln. Und ich hab die Perspektive, dass mit dem Antibiotikum in einigen Tagen alles wieder besser wird. Aber da gibts ja auch andere Krankheiten, wo diese Perspektive gänzlich fehlt! Ich möchte nicht tauschen müssen. Und tauschen wollen hätte ich auch nicht mit Jesus, der noch viel üblere Schmerzen über sich ergehen hat lassen… Mir wird gerade annähernd bewusst, was er da für uns – für mich – getan hat! Absolut krass. Danke, Papa! Und ihr: bleibt gesund und gehabt euch wohl.
accidit
December 14, 2008
Warum schreibe ich die Titel eigentlich immer auf Latein? Wenn ich irgendwann mal den ganzen Text so schreiben kann, dann hab ichs echt geschafft… Accidere tut, dass es passiert ist, und zwar im heftigsten Maße… Neue Erfahrung für mich. Gute Erfahrung. Aber noch ist nicht alles entschieden, denn gut Ding will bekanntlich auch Weile haben…. Gehabt euch wohl.
res novae
November 30, 2008
“Man kann sich nicht aussuchen, wann man sich verlieben wird.” So wahr… Ich erleb es grade gewissermaßen am eigenen Leib: ich kann es mir nicht aussuchen, ob ich mich nun verlieben will oder nicht. Es passiert einfach. Oder nicht. Das alles stellt mich vor ein fieses Dilemma, sodass ich mir mal wieder schriftlich Gedanken über alles mögliche machen muss – und wenn es so weit schon ist, dann ist die Lage wirklich ernst. Vertrackt. Bin gespannt, wohin das alles führen wird…. wohin Gott mich führen wird. Denn das ist echt beruhigend, zu wissen, dass ich nie tiefer als in seine Hände fallen kann. Ganz gleich, wie ich welche Entscheidungen treffen. Gehabt euch wohl.
rota fortunae
September 5, 2008
Auf gehts im Leben, und ab. Auf und ab. Und auf und ab und auf und ab… Irgendwann hatten die Menschen die Idee, das der Schicksalsgöttin Fortuna zuzuschreiben, die ihr Rad dreht. Am Rad hängen die Menschen oder vielmehr ihre Schicksale, sodass es für den einen hinauf geht, während der andere fällt, und umgekehrt. Mein heutiger Tag ist eine Aufwärtsbewegung. Anabasis. Die Hausarbeit ist mir nur so durch die Finger über die Tastatur in den PC geflossen, vorhin hat mich ein Bekannter angerufen, von dem ich schon seit bestimmt eineinhalb Jahren nichts mehr gehört hatte, am Wochenende ist Herbstmesse und seit gestern hab ich eine Norwegisch-Tandempartnerin - auch wenn zur Zeit übles Wetter draußen ist: meine Laune und demnach auch die Motivation sind blendend! Tut das gut. Gehabt euch wohl.
ignoras
August 31, 2008
Manchmal muss man irgendwie neu anfangen. Altes vergessen, verdrängen, in die hintersten Hirnecken abschieben. Altes begraben. Reicht es, wenn man für sich selbst neu anfängt, oder muss man das auch beteiligten Personen erklären? Erklären kann auch zerstören, so viel hab ich mittlerweile gelernt. Es ist nicht immer gut, wenn man alles weiß. Wenn andere alles wissen. Da sind Abgründe, bei jedem Menschen, die gehen keinen anderen was an. Die gehen nur Gott was an, denn der kennt sie ohnehin. Und mit irgendwem muss man ja darüber reden können. Über das Alte, Zerstörerische. Über das momentane Hin und Her. Über den Neubeginn. Gehabt euch wohl.
jeg elsker deg
August 4, 2008
So viel Norwegisch kann ich schon. Und hätte es am liebsten die ganzen zwei Wochen lang ständig gesagt. Aber ich habs gelassen und mich für die indirekte Variante am vorletzten Tag entschieden. Schlimm genug. Ansonsten wars aber ne wunderbare Freizeit, ein bisschen wie heimkommen. Jetzt folgt das böse Freizeitloch. Und Pläne: Norwegisch lernen, ganz viel Fahrrad fahren, Rock’n roll für Jesus… Ich bin ja ganz und gar unmotiviert, bald wieder an Uni und alles zugehörige denken zu müssen. Aber so ist das Leben, ita vita est. Gehabt euch wohl.